Mitten in einem Wald in Remerschen liegt das Architekturbüro von François Valentiny. Ein Ort, der die Verwirklichung aller Möglichkeiten, geistige Offenheit und Kreativität begünstigt, doch vor allem beherbergt er einen außergewöhnlichen Architekten, einen Architekten mit Überzeugungen. Eine Begegnung.
Von Europa bis Asien waren Sie der Architekt zahlreicher wegweisender Gebäude, die Sie zu einem angesehenen Architekten in Luxembourg gemacht haben. Warum haben Sie sich dafür entschieden, Architekt zu werden? Wie verlief Ihr Werdegang?
Ich denke, das ist logisch. Mein Vater war Tischler, ich kam also schon sehr früh mit dem Beruf in Berührung, noch bevor ich ihn in einer Lehre erlernte. Dabei wollte ich im Grunde Maler werden. Doch geprägt hat mich eine solide handwerkliche Ausbildung. Der Architekt ist vor allem ein Handwerker, der die alltäglichen Probleme des Lebens verstehen muss.
Ich begann mit einem Abschluss als technischer Ingenieur am Institut supérieurs de Technologie in Luxembourg. Anschließend absolvierte ich ein erstes Jahr an der Ecole d’Architecture de Nancy, die nach 68 die theoretischste und avantgardistischste Schule Frankreichs war. Für jemanden mit einer handwerklichen und pragmatischen Denkweise war diese Atmosphäre nicht passend, also unternahm ich Reisen. Ich entdeckte eine andere Welt, insbesondere in Wien, der Schatzhöhle Alibabas der Architektur – lacht –. Hier studierte ich schließlich; ich gehörte zu den 9 aus 300 ausgewählten Bewerbern an der Universität für Angewandte Kunst.
In den 1980er-Jahren haben Sie frischen Wind in das luxemburgische Bauwesen gebracht. Wie würden Sie Ihre Vision beschreiben? Ihre Kunst? Wie sind Sie dahin gekommen?
Eine Stadt ist nichts anderes als ein schönes Loft und umgekehrt. In einem definierten Raum muss man die Funktionen entsprechend den kulturellen und sozialen Parametern gewährleisten. Heute sprechen wir leider zu viel über Ästhetik, tun aber nicht genug dafür, ihr in unserem täglichen Leben den Vorrang zu geben, denn die Schönheit ist aus vielen unserer Städte und Dörfer verschwunden. Wenn architektonische und städtebauliche Schönheit nicht auf einer kulturellen und sozialen Grundlage beruht, interessiert sie mich nicht
Mein Lebensweg hat mich zwar dazu gebracht, Architekt zu werden, doch es war auch eine Entscheidung, denn ich wollte etwas verändern. In den 70er-Jahren haben mich als gewissenhaften Handwerker bestimmte Dinge verstört, ja sogar verärgert. All diese Mängel an den Bauten, auch die mangelnde politische Sensibilität gegenüber unserem Erbe, unseren Traditionen, die Zerstörung unserer Städte und Dörfer…. Luxembourg wurde zerstört, und ich war darüber empört! Diese Zeit hat mich dazu bewogen, ein Architekturstudium aufzunehmen.
Die Ästhetik in der Architektur ist seit meinem zweiten Bau nicht mehr meine Priorität. Was mir inzwischen wirklich wichtig ist, ist zu verstehen, wie die Gesellschaft funktioniert, das Zusammenleben, die alltägliche Lebensqualität. Schließlich ist Architektur mein Beruf, und ästhetische und technische Fragen sollten für mich kein Problem sein. Die Komplexität beginnt mit dem Geist des Ortes, dem « Genius Loci ».
Häuser, Wohnungen, Büros, Sportinfrastruktur, Kunst und Kultur, um nur diese Bereiche zu nennen: Insbesondere auf Ihrer Online-Präsenz entdeckt man eine breite Palette an Referenzen. Welches Ihrer Meisterwerke macht Sie am stolzesten?
Um diese Frage zu beantworten, würde ich sagen, dass man unterscheiden muss zwischen dem, was mir persönlich gefällt, dem, was mich vorangebracht hat, und dem, was emblematisch ist.
Bestimmte Dinge gefallen mir, weil sie Antworten auf Fragen geben, die mir am Herzen liegen, und gelungen sind, weil sie funktional sind. Wenn ich zum Beispiel in meinem Dorf zum Bistrot Gourmand hinaufgehe, gibt es die Werkstatt meines Vaters, des Tischlers, und meines Nachbarn, des Schmieds, nicht mehr, aber die Cave à Vins meines Freundes Yves, den ich seit meiner Geburt kenne, besteht noch immer. Der Platz in Remerschen, den wir geschaffen haben, erfüllt perfekt die Kriterien, um die Illusion zu haben, im Zentrum des Geschehens zu sein. Er erfüllt alle grundlegenden Bedürfnisse und strahlt eine angenehme Atmosphäre aus.